
Grob eingeteilt geht die Epoche Mittelalter von 500-1500. Festzuhalten, wann genau das Mittelalter beginnt, ist allerdings problematisch, da es keine feste Epochengrenze bzw. ein einzelnes, für alle Völker gleich bedeutendes Ereignis gibt.

Steinkalender, Nürnberg 1582
Vorschläge zu einem ungefähren Beginn
313 | Toleranzedikt von Mailand |
308-337 | Kaiser Konstantin der Große |
375 | Einfall der Hunnen in Europa |
394 | Ende der olympischen Spiele |
410 | Eroberung Roms durch die Westgoten |
476 | Odoaker setzt den letzten weström. Kaiser Romulus Augustulus ab |
529 | Schließung der Akademie in Athen |
633 | Beginn der islamischen Expansion |
Vergleichbar der 'klassischen Trinität' von Antike, Mittelalter und Neuzeit wird auch das Mittelalter dreigeteilt. Man spricht von Früh-, Hoch- und Spätmittelalter, manchmal auch von 'Aufstieg', 'Blüte' und 'Verfall'.
Da die zweiten Hälfte des 13. Jh. einen historischen Einschnitt bildet, wird in diese Zeit der Beginn des Hochmittelters gelegt.
Das Ende des Mittelalters liegt irgendwo zwischen Renaissance und Reformation, abhängig von den verschiedenen europäischen Regionen. Ein besonders bedeutsamer Strukturwandel für die europäische Gesellschaft liegt in der Zeit zwischen dem 14. Jh. (Pestjahr 1348) und dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (Westfälischer Friede 1648).

Von Andreas Korthals (25.01.2004)
Wir alle haben unsere Vorstellungen über das Mittelalter, die Zeit der Ritter und Burgen. Wenn wir allerdings versuchen, das Mittelalter zeitlich einzugrenzen, stößt man auf Probleme. Die meisten von uns haben zwei grobe Eckdaten in der Schule gelernt: Das Mittelalter reicht von ca. 500 bis etwa zum Jahre 1500. Nur, ist das wirklich so und was hat diese Denkweise beeinflußt?
Der Begriff Mittelalter ist an sich ein sehr nichtssagender Ausdruck und außerdem negativ gemeint. Eingeführt wurde er um das Jahr 1500 aus dem Gefühl heraus, daß nun ein völlig neues Zeitalter begonnen habe, ein Zeitalter mit neuem Denken und neuem Sprechen. Mittelalter, das sollte heißen, daß ein dunkles, ein finsteres Zeitalter zu Ende gegangen war und daß ein helleres, ein besseres, beginnen würde. Unterstützt wurde diese Denkweise noch durch die Reformation, die von vielen Zeitgenossen als tiefer geschichtlicher Einschnitt verstanden wurde. Endgültig festgelegt wurde diese zeitliche Einteilung allerdings erst im 17. Jahrhundert. Die Weltgeschichte wurde als dreigeteilt verstanden. Man ließ das Mittelalter mit dem Ende des weströmischen Reiches im Jahre 476 beginnen und mit der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 enden. [1]
Diese Eckdaten haben heute immer noch Bestand, neben anderen. Man findet als Anfangsdatum für das Mittelalter auch das Jahr 375, d.h. den Einbruch der Hunnen in Europa und damit den Anfang der Völkerwanderungszeit. Als Enddatum gilt oft auch das Jahr 1492, die Entdeckung Amerikas.
Wie auch immer man zu diesen Einteilungen steht, sie bleiben letztendlich alle fraglich. Die geschichtliche Entwicklung weist trotz einiger herausragender Daten keinen Bruch auf. Auch von den Zeitgenossen wurde eine solche Zeitenwende nicht bewußt erlebt. Im Frankenreich beispielsweise verschmolz die alte römische Führungsschicht mit der neuen der Franken.
Auch die Grenze zur Neuzeit bleibt fraglich. Phänomene, die man bislang für spezifisch neuzeitlich hielt, wie etwa Kenntnisse der Antike und Vor- und Frühformen des modernen Staates, haben ihre Wurzeln im Mittelalter. [2]
Damit wird sichtbar, daß die Schwierigkeit eine Epocheneinteilung zu finden, darin begründet liegt, daß man sich zuvor entscheiden müßte, worauf man sich bezieht, wenn man die Geschichte nach Zeitaltern gliedert. Ist es die politische Geschichte, sind es soziale oder gesellschaftliche Veränderungen oder auch kirchliche Entwicklungen?
1 Boockmann, Hartmut: Einführung in die Geschichte des Mittelalters, München 1988, S. 14
2 Ebd. S. 14-15



