
Eine systematische Hanseforschung gibt es erst seit Beginn des 19. Jh. (Veröffentlichung großer Quellensammlungen wie das Lübeckische Urkundenbuch, 1843-1932, oder das Hansische Urkundenbuch, 1876-1939). Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang besonders die Hansischen Geschichtsblätter (Köln / Wien 1871 - ff.), die vom (1870 in Lübeck gegründeten)
Hansischen Geschichtsverein herausgegeben werden (mit Unterbrechung aufgrund des 2. Weltkriegs und dessen Folgen). Dollinger bezeichnet den Verein als die treibende Kraft in der hansischen Geschichtsschreibung. (hierzu: A. v. Brandt, Hundert Jahre Hansischer Geschichtsverein. Ein Stück Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, in: HGBll 88, 1970, S. 3-67). Vergessen werden darf an dieser Stelle nicht die Nennung der Hansischen Studien, die in der Reihe 'Abhandlungen zur Handels- und Sozialgeschichte' erscheinen. Sie werden von der Hansischen Arbeitsgemeinschaft (im Zuge der deutschen Teilung entstandene 'Abspaltung' des Hansischen Geschichtsvereins) der Historiker-Gesellschaft der DDR herausgegeben
In der älteren Forschung stand vor allem die Städtehanse im Vordergrund. Sie betrachtete man als die eigentliche Hanse, die Entwicklung dahin 'nur' als Vorgeschichte.
In der heutigen Forschung (mit ihrer internationaleren Ausrichtung) hat sich durchgesetzt, den Zusammenschluß der Kaufleute seit dem 12. Jh. ebenso als Hanse aufzufassen wie die Städtegemeinschaft des 14. Jh.
Die ältere Forschung sah die Blütezeit in dem, dem Stralsunder Frieden (1370) folgendem, Jahrhundert: in der Mitte des 15. Jh. Argumente waren u.a. neuer Handelsaufschwung nach Frieden von 1370; neuer Privilegienerwerb; größte Anzahl an Mitgliedsstädten.
Einigen Forschern heute gilt die Mitte des 14. Jh. als Blütezeit. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte die Hanse ihre Handelspositionen erworben und ihre Gegner durch freie Konkurrenz überwunden (Dollinger bezweifelt die These, die Hanse sei in der Mitte des 14. Jh. ein System der freien Konkurrenz gewesen, S. 493). Sie sehen im Frieden von Stralsund den Wendepunkt ins Negative, besonders bezüglich der wirtschaftlichen Weiterentwicklung; ihre Konkurrenten sind im Aufstieg begriffen. Die Bildung der Städtehanse wird von einigen Forschern als Verteidigungsreflex gedeutet.
Für die Hansegeschichte selbst lassen sich keine festen Gründungs- und Enddaten festlegen, da die Hanse nicht nur politisch, sondern ebenso handelsgeschichtlich zu begreifen ist.



