Geschichte → Mittelalter → Wirtschaftsgeschichte → Die deutsche Hanse → Krisen und Niedergang (15. - 17. Jh.)

Krisenfaktoren Hanse 1400 - 1475
Ungünstige Konjunktur schadet der Hanse
Neben den Monarchien werden auch die deutschen Territorialherrschaften im Verlauf des 15. Jh. immer stärker. Der Druck auf die Städte wächst. Dauernde militärische und finanzielle Anstrengung sind eine der Ursachen der Schwächung der Hanse.
Die wirtschaftlichen Faktoren erscheinen für die Hanse noch unheilvoller als die politischen Gegebenheiten. Bedeutend ist hierbei besonders der Aufschwung der Holländer und der Süddeutschen.
Lübische Verfassungskrise 1408-1416
(1380 /1384 Knochenhaueraufstand / Unzufriedenheit mit Regierung des Patriziat)
1403 muß der Rat seine finanzielle Misere (Vitalienbrüder; Bau Elbe-Trave-Kanal) öffentlich machen und fordert die Zustimmung zu einer neuen Abgabe. Als zwei Jahre eine weitere neue Abgabe hinzukommt, muß er die Bildung eines Sechzigerausschusses gewähren. Dieser Ausschuss, dem einige kleinere Handwerker angehören, übergibt dem Stadtrat eine Beschwerdeliste. Der Konflikt verschärft sich, als der Ausschuss unter anderem eine Verfassungreform (Beteiligung der Gemeinde durch Wahl) fordert.
1408 weicht der 'Alte Rat' dem Druck der Gemeinde und 15 Mitglieder (von 23) verlassen die Stadt. Die Sieger wählen einen 'Neuen Rat' (24 Mitglieder, die sich halbjährlich aus den u.a. Handwerkern erneuern sollen.) Dies hat zur Folge, dass es nun zwei Räte gibt: den 'Neuen Rat' in Lübeck sowie den 'Alten Rat' im Exil. Daraufhin zieht Bürgermeister Jordan Pleskow ('Alter Rat') vor das Reichshofgericht (seit 13. Jh., durch Wilhelm v. Holland) Er fordert, dass der 'Alte Rat' wieder eingesetzt werden soll. Aber das Urteil fällt nicht eindeutig aus. In Konsequenz konfisziert der 'Neue Rat' die Güter des 'Alten'.
Aufgrund dieser Geschehnisse wird die führende Rolle Lübecks angezweifelt. 1410 wird die Reichsacht über Lübeck verhängt. Und das 'Haupt der Hanse' wird nach Lüneburg verlegt.
1416 wird der 'Alte Rat' wieder eingesetzt. Ihm gehören auch 5 Mitglieder des 'Neuen Rates' an, aber das Patriziat hat wieder die Übermacht!
Niedergang des Deutschen Ordens
15.07.1410 Schlacht bei Tannenberg
Polen besiegt das Ordensheer (1411 1. Thorner Frieden, Landabtretungen) Vorgeschichte: Christianisierung Litauens infolge poln.-lit. Personalunion (1386) schürt Feindschaft zu Polen
1454 Abfall des Preußischen Bundes, nachdem sich die Opposition der großen Handelsstädte verschärft hatte
1466 2. Thorner Frieden, Ordensterritorium, das unter poln. Lehnshoheit steht, beschränkt sich auf östl. Preußen
1525/1561 Umwandlung in die weltl. Herzogtümer Preußen und Kurland (unter poln. Lehnshoheit)
Kriege schwächen die Hanse
Hanse und Niederlande
1438-1441 Hansisch-niederländischer Krieg;
Friede von Kopenhagen
Krieg mit England / Abfall Kölns
Die Beschlagnahmung englischer Schiffe durch Dänemark führt zum Angriff auf den Stalhof und zu dessen Zerstörung. England hatte die Hanse beschuldigt, Dänemark zu unterstützen. Köln löst sich daraufhin von der Hanse, um seine Interessen in England zu wahren.
Der Hansetag in Lübeck (1470) erklärt England den Krieg (erste Kriegserklärung der Hanse).
1470-1474 Hansisch-englischer Seekrieg
1471-1476 Köln aus der Hanse ausgeschlossen (Verhansung)
Der Ausschluß erfolgte u.a., weil Köln die Schoßzahlung an das Brügger Kontor verweigerte. Zudem trieb Köln weiter mit England Handel, obwohl die Hanse sich im Krieg mit den Engländern befand.
Friede von Utrecht
1474 Friede von Utrecht
Bestätigung der Hanseprivilegien und Niederlassungen in London und ostenglischen Häfen. England zahlt der Hanse Schadenersatz. ABER: England erhielt die Anerkennung ihrer Freiheiten in Preußen.
Ein Zusatzvertrag (mit dem Herzog von Burgund und Holland) befreit die Holländer vom Stapelzwang in Brügge und gewährt ihnen Zugang zur Ostsee.
Der Friede von Utrecht war für die Hanse ein großer Erfolg. Er zeigte aber auch die Schwäche der Städtehanse: Es gab erneut keine Einigung der Städte untereinander.
(1483 Ewiger Friede zwischen der Hanse und Frankreich)
Krisenfaktoren Hanse 1475-1550
Niedergang der Hansekontore
Durch die Vermehrung von Niederlassungen kommt es zur Dezentralisierung - alles wird für Hanse unübersehbarer.
Ende des Brügger Kontors
1486 hat das Kontor in Brügge nur noch drei statt sechs Oldermänner und neun statt achtzehn Beisitzer. Dies ist das Ergebnis des Niedergangs des Brügger Kontors:
- Der größere Teil der Hansen war aufgrund von Unruhen in Flandern nach Antwerpen umgezogen
- Der Brügger Hafen versandete
1520 der offzielle Umzug nach Antwerpen bedeutet das faktische Ende des Brügger Kontors
Schließung des Nowgoroder Kontors
1478 Eroberung Nowgorods durch Iwan III.
1494 Schließung des Nowgoroder Kontors durch Iwan III.
"Schwache" Kontore in Norwegen
In Norwegen erleidet die Hanse seit dem 15. Jh. einen kontinuierlichen Niedergang.
Die Konkurrenz der Holländer, Engländer, Schotten und Dänen hatte stark zugenommen. Die Norweger werden zu Zwischenhändlern und umgehen so die Hanseprivilegien (durften direkt beim Erzeuger kaufen!).
All dies führt zur Abnahme des Hansehandels in Norwegen. Er endet endgültig mit dem Dreißigjährigen Krieg.
Starke Konkurrenz für die Hanse durch die Fugger
1515 erhalten die Fugger durch Vermittlung hansischer Kaufleute Handelserleichterungen im Sund und in der Ostsee. Die Fugger hatten dies u.a. dadurch erreichen können, weil sie bei manchen Kaufleuten stille(!) Teilhaber waren. Das heißt, sie konnten Einfluß nehmen, ohne das dies nach außen hin ersichtlich wurde.
Sie werden zur gefährlichen Konkurrenz für die Hanse - besonders beim Handel mit Kupfer, Wachs und Pelzen.
Die Reformation schwächt die Stellung Lübecks
1522-1531 dehnt sich das Luthertum auf Norddeutschland aus (1517 Thesenanschlag)
1529 / 1531 wird in Lübeck die Reformation eingeführt
Lübecks Reformation beeinflußt die Außenpolitik: Jürgen Wullenwever, Bürgermeister von Lübeck (1533-1535) und Mitglied des Vierundsechzigerausschusses, will Lübeck seine alte Vormachtstellung zurückbringen und greift deshalb in dynastische Probleme ein:
Christian II. (katholisch) wird gestürtzt. Die Hanse unterstützt dies. Später tritt jedoch Wullenwever von der Erhebung Christian III. zurück und unterstützt nun Christian II., der noch in Norwegen gefangengehalten wird, obwohl er diesen zuvor bekämpft hatte. Dies führt zwangsläufig zu innenpolitischen Problemen, da Christian II. katholisch ist.
1534 führt eine militärische Aktion zur Wiedereinsetzung Christians II. Kopenhagen wird erobert, aber das Unternehmen scheitert:
Christian III. gewinnt protestantische Fürsten zur Unterstützung und Lübeck unterliegt in einigen Schlachten. Wullenwever scheitert bei der Suche nach einem Thronkandidaten für Schweden. Dies führt zum Sturz Wullenwevers und seiner Hinrichtung 1535.
Lübeck steht nun auf Einzelposten und hat stark an Prestige verloren.
Krisenfaktoren Hanse 1550 - 1669
Reorganisationsbemühungen stärken die Hanse zeitweilig
In Ermangelung eines Schutzherrn beschließt die Hanse neue Maßnahmen:
- Bündnis mit gegenseitigen finanziellen Verpflichtungen
- Ernennung eines hansischen Syndikus.
1556-1591 Dr. Heinrich Sudermann Syndikus der Hanse
1557 versucht der Lübecker Hansetag die Hanse durch eine Änderung der Strukturen zu reorganisieren. Verabschiedet wird das Statut von Brügge:
- zwingendes Erscheinen auf Hansetagen
- Pflicht zur Wahlannahme
- Streitigkeiten kommen vor ein Schiedsgericht, ansonsten weiter vor den Hansetag; die Anrufung fremder Gerichte, auch des Reichsgerichts, wird verboten!
- gemeins. Übernahme der Kosten (patrizische Entscheidung!)
- Ausschluß bei Ungehorsam
- Erlaubnis zu Sonderbünden mit anderen Städten (!)
- Einführung einer jährl. Abgabe ('annuum')(; funktionierte auf Dauer nicht`)
All diese Maßnahmen führen zu einer zeitweiligen Stärkung der Hanse. Insbesondere die Ernennung eines Syndicus war wichtig.
Katastrophen: Livland, England, Antwerpen
1558 Dorpat und Narva werden von den Russen erobert
1566 Lübeck erleidet eine Seeniederlage bei Gotland
1567 englische Kaufleute erhalten in Hamburg Privilegien
1579 englische Kaufleute erhalten in Elbing Privilegien
1598 Schließung des Londoner Kontors (Stalhof) durch Königin Elisabeth I.
Dreißigjähriger Krieg und das Ende der Hanse
1621 Schweden dringt in Livland ein und erobert Riga
1626 Gustav Adolfs preußischer Feldzug
1628 Wallenstein belagert Stralsund
1631 Eroberung und Zerstörung Magdeburgs durch Tilly
1645 Gotland geht endgültig an Schweden: Nach heftigen Kämpfen müssen die Dänen Gotland an Schweden abtreten.
1669 Letzter Hansetag



