"Städtebünde und Hanse" Wissensweitergabe.org - SCHINDLER mediasolutions

Die Städte standen unter Führung von Stadtherrn (Fürsten, Könige, Bischöfen, u.a.), die nicht duldeten, daß Verbände über ihren Herrschaftsbereich hinaus entstanden:

- 1231 allgem. Verbot von Städtebünden (für ca. 10-15 Jahre)
- vgl. 1356 Verbot von Gründung und Tätigkeit von Städtebünden in der Goldene Bulle von Karl IV.

Aber die Hanse sah sich nicht als Städtebund, nur als loses Bündnis! Dies ändert sich ab dem 16. Jh., als die Städtemanzipation fortgeschrittener ist. Erst im Spätmittelalter erhielten die Städte durch ihre Freiheitsbestrebungen soviel Unabhängigkeit, daß sie sogar an den Reichstagen teilnehmen durften.

Seit der Mitte des 13. Jh. schloßen sich in ganz Deutschland angesichts der Ohnmacht der kaiserlichen Gewalt und der herrschenden Anarchie die neuen Mächte, die Städte zusammen. Wahrscheinlich hat es seit dem 13. Jh. keinen ständigen Städtebund gegeben, sondern eine Aufeinanderfolge von Bünden - ohne Beziehung zum vorhergehenden, zumal sie auch zwischen ganz unterschiedlichen Städten geschlossen worden sind. Im Norden waren die kleineren Bünde stabiler und wirkungsvoller als große (wie in Süddeutschland).

Im hansischen Bereich waren die Städtebünde sehr zahlreich und verschiedenartig, aber theoretisch hatten diese Bünde nichts Hansisches an sich. Im allgemeinen war es ihr Ziel, die Unabhängigkeit und die Privilegien einer Gruppe von Städten gegen einen Landesherrn zu verteidigen, der sie unterwerfen wollte, was häufig im 15. Jh. vorkam, ohne daß die Hanse zu ihren Gunsten eingriff.

Diese Städtebünde stellten gleichwohl eine regionale Instanz der Gemeinschaft dar, die zusammentrat, um über die Entsendung eines Delegierten zum Hansetag zu entscheiden und um die Positionen festzulegen, die er einnehmen sollte.

Ab der Mitte des 13. Jh. streben die Städte bereits danach, an Stelle der Gotländischen Genossenschaft den Schutz der deutschen Kaufleute im Ausland zu übernehmen.

StädtebundBemerkung

wendischer

für die Hansegeschichte von größter Bedeutung; geht zurück auf Bündnis zw. Hamburg und Lübeck (1230); verstärkt wurde er durch die pommerschen Städte (Stralsund, Greifswald, Stettin, Anklam)

westfälischer

Diese Bünde wurden mehrmals erneuert und entwickelten sich zu einem nahezu ständigen Zusammenschluß der westfälischen Städte, in dem die wichtigste, Dortmund, eine führende Rolle übernahm.

sächsischer

erster Städtebund; zu Beginn 14. Jh. Schwächeperiode; dann einer der geschlossensten, in dem Braunschweig die Führung übernahm.

rheinischer

kurzer Bestand; größster in Norddtl.

preußischer

Zus.schluß im 14. Jh.; vom Deutschen Orden abhängig

livländischer

Zus.schluß Ende des 13. Jh.; ab zweite Hälfte 14. Jh. geschlossener Verband; keine direkte Kontrolle durch den Dt. Orden


wendische Städtebünde (Auswahl)

1280

erster Bund (in den Quellen)

meist

die im wendischen Gebiet neu gegründeten Städte: Lübeck, Kiel, Wismar, Rostock, dann Stralsund; teilweise Hamburg und Lüneburg

westfälische Städtebünde (Auswahl)

1246

Münster, Osnabrück, Minden, Herford, Coesfeld u. weitere
Zielsetzung: Sicherung des freien Zugangs zu den Märkten; Schutzgemeinschaft gegen jeden Angreifer

1253

Münster, Dortmund, Soest, Lippe

sächsische Städtebünde (Auswahl)

hervorgegangen aus Bündnis zw. Münden und Northeim;

20 Jahre später

wegen Repressalien der Stadt Gent treten hinzu: Lüneburg, Braunschweig, Hannover, u. a., dann Hamburg, Stade, Bremen, später Magdeburg

Zuletzt geändert am 21.10.2007