"Voraussetzungen der Hansegeschichte" Wissensweitergabe.org - SCHINDLER mediasolutions

Deutsche Ostbewegung

Ursachen und Erfolgsgründe

  1. König und Fürsten Einer der wichtigen Initiatoren der deutschen Ostbewegung ist Lothar III. von Supplinburg. Er traf die grundlegenden Entscheidungen für die organisatorische Erschließung des (deutschen) Ostens:
    • 'Landvergabe'
      • Übertragung der Grafschaft Holstein an Adolf I. von Schauenburg (1110)
      • 1134 Verleihung der Nordmark an Albrecht den Bären, der sie systematisch zu erobern begann
      • Verheiratung der Tochter mit dem Welfen Heinrich dem Stolzen. Damit sicherte Lothar ihm die Nachfolge im Herzogtum Sachsen zu, das bald auf dessen Sohn Heinrich den Löwen überging (1142)
      Diese drei Fürsten widmeten ihre Aufmerksamkeit ganz der deutschen Besiedlung des Ostens.
    • Privilegien für die gotländischen Kaufleute im Herzogtum Sachsen; wahrscheinlich auf Gegenseitigkeit (!) verliehen
    > Lothar III. ist der Urheber der politischen und wirtschaftlichen Expansion der Deutschen nach Osten.

  2. Missionierung

  3. Wanderungsbewegung von West nach Ost Am entscheidensten für den Erfolg waren die Wanderungswellen hunderttausender Deutscher zwischen dem 12. und 14. Jh..

Folgende Auswanderungsgründe lassen sich festmachen

  • Überbevölkerung Westdeutschlands
  • Verknappung des bebaubaren Bodens
  • starke Verstückelung des Grundbesitzes
  • Lockerung der bäuerlichen Abhängigkeit von der Grundherrschaft
  • Versprechen, daß sie Land erhalten sollten und damit Aussicht auf baldigen Wohlstand

 

teilnehmende Völker

  • Sachsen
  • Westfalen
  • Rheinländer
  • Holländer
  • Flamen
  • Franken

 

Die 1. Welle erfolgt in der Mitte des 12. Jh. nach Holstein und Brandenburg.

Städtewesen

Grundschema der älteren Städte
(die meisten bedeutenden Hansestädte waren ältere Städte)
Herausbildung dieses 'Schemas' zwischen dem 10. und 13. Jh.

  • Einwohnerzunahme an günstigen Orten durch Zuzug
    • bäuerlicher Handwerker
    • ständige Niederlassung von Kaufleuten
  • Zentrum der kirchlichen oder weltlichen Herrschaft sowie Kaufmannssiedlung wachsen innerhalb eines ummauerten Raumes zusammen
  • Ausbildung eines einheitlichen eigenen Rechts (Stadtrecht)
  • Schaffung einer, meist durch Eid bekräftigten, Bürgergemeinschaft
  • vorherrschender Einfluß der Kaufleute
  • Aneignung des Stadtregiments durch die reichsten Familien (Patrizier)
  • wachsende städtische Autonomie gegenüber dem Stadtherrn
  • Ausbildung von Verwaltungsorganen in Hand der Bürger, von denen der Stadtrat (ab Ende 12. Jh.) überall das leitende Organ wird


Stadtplanung
'Hansischer Stadttypus'
Die Stadt Lübeck wurde bei den verschiedenen Stadtgründungen östlich der Elbe mehr oder weniger nachgeahmt:
In der Mitte ein viereckiger Marktplatz, eingerahmt von Rathaus und der Hauptkirche; Ziegelbauten. Die Größe des Marktplatzes kann unter einem halben Hektar liegen, aber auch sehr groß sein: Lübeck 2,5 ha, Krakau 4 ha.

Beziehung Stadt - Land
Die Stadt gewinnt ihre Substanz aus dem Land. (Dollinger)
Zogen einerseits sowohl Städter wie auch Bauern, Vorteile aus ihrer Beziehung, so konnten beiden auch darunter leiden. Hatte die wachsende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen anfänglich die Bauern begünstigt, so verarmten die Bauern in der Folgezeit vielfach dadurch, daß sie ihr Land an die Bürger verpfändeten und in deren Abhängigkeit gerieten.
> charakteristische Entwicklung für das neue System der Gutsherrschaft im 16. Jh.

Bürgerlicher Einfluß
Es gibt einige Unterschiede zwischen den einzelnen Städten, wobei sich Lübeck und Bremen besonders unterschieden.

Bremen

 

Lübeck

Geschworene vertreten die Bürgerinteressen (12. Jh.)

 

bürgerl. Gemeinschaft hatte wenig Einfluß

> nach und nach wurde die Macht vom Rat übernommen

 

> Rat besaß alle Macht schon bei seiner Gründung (um 1163) aufgrund der Rolle Lübecks als Kolonisator

Zuletzt geändert am 20.10.2007